Katastrophen sind seltene, komplexe und nur eingeschränkt vergleichbare Ereignisse. Gerade deshalb braucht die Katastrophenmedizin eine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Strukturierte Einsatzdaten, einheitliche Begriffe und die systematische Auswertung von Erfahrungen sind entscheidend, um aus vergangenen Ereignissen zu lernen und die Versorgung bei zukünftigen Krisen zu verbessern.
Die Deutsche Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) bündelt dafür Expertise aus Medizin, Pflege, Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz, Technik, Psychologie, Ethik und weiteren Fachgebieten. Sie initiiert eigene Forschungsvorhaben, beteiligt sich an Verbundprojekten und unterstützt die Entwicklung wissenschaftlich begründeter Standards und Leitlinien.
Ein zentrales aktuelles Projekt ist das im Juni 2026 gestartete MANV-Register. Gemeinsam mit der Uniklinik RWTH Aachen und einem interdisziplinären Expertinnen- und Expertenkreis hat die DGKM einen einheitlichen Datensatz zur Erfassung von Ereignissen mit einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten entwickelt. Ziel ist es, erstmals überregional vergleichbare Daten zu gewinnen und daraus konkrete Verbesserungen für Sichtung, Einsatzführung, Transport und medizinische Versorgung abzuleiten.
Als assoziierter Partner beteiligt sich die DGKM zudem am Forschungsprojekt TELEPIK. Das Projekt entwickelt digitale Lösungen zur tele-unterstützten Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Katastrophenlagen. Im Innovationsnetzwerk KATPRO bringt die DGKM ihre Expertise in die Entwicklung neuer Technologien für Vorsorge, Sichtung, Priorisierung und Versorgung ein. Weitere Schwerpunkte sind die wissenschaftliche Untersuchung der Verfügbarkeit von Einsatzkräften sowie die Mitwirkung an den präklinischen und klinischen S2k-Leitlinien zur Katastrophenmedizin.
Forschung lebt von Kooperation. Die DGKM arbeitet deshalb mit Hochschulen, Kliniken, Fachgesellschaften, Behörden, Hilfsorganisationen und Technologiepartnern zusammen. Die 2026 geschlossene Kooperation mit dem Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge stärkt zusätzlich die Verbindung von Forschung, Praxis, Politik und Gesellschaft.
Wissenschaftliche Arbeiten, die im Rahmen von DGKM-Projekten oder Projektarbeitsgruppen entstehen, können die DGKM nach Abstimmung als institutionelle Affiliation führen. Bereits heute ist die „German Society for Disaster Medicine“ in internationalen und nationalen Publikationen vertreten – unter anderem zur digitalen Sichtung und zur Verfügbarkeit von Einsatzkräften im Bevölkerungsschutz. So werden die wissenschaftlichen Aktivitäten der Gesellschaft sichtbar und die Katastrophenmedizin als eigenständiges Forschungsfeld nachhaltig gestärkt.